Offener Brief an die Bischofskonferenz 

 
 

 

Was zögert ihr noch? Die Zukunft gehört nicht den Mutlosen!
 

 
  Der Wortlaut des Textes:  
 

 

Sehr geehrte Herren Bischöfe


In Ihrer Medienmitteilung vom 5. Dezember 2019 über die letzte SBK-Versammlung teilen Sie mit, dass
Sie sich nicht auf einen nationalen Prozess für die Erneuerung der Kirche Schweiz einigen können. Sie
vertrösten Katholikinnen und Katholiken einmal mehr auf später.


Die katholischen Verbände, Vereine und Gruppierungen (viele zusammengeschlossen in der Allianz
«Es reicht!») sowie zahlreiche Ordensgemeinschaften wollen diese unbegründbare Verzögerung nicht
hinnehmen. In Deutschland hat der Papst die Bischöfe aufgerufen, von den Nöten und Bedürfnissen der
Basis her die kirchlichen Strukturen zu reflektieren und zu erneuern. Es ist höchste Zeit, diesen Erneuerungsprozess auch in der Schweiz umzusetzen – ohne Verzögerung.


Dass sich bereits viele Verbände und Vereine bei der Schweizer Bischofskonferenz zur Prozessmitgestaltung gemeldet haben, ist eine grosse Chance für die Kirche. Sie ist ja niemandes Besitz, alle erfüllen die Kirche mit Leben und tragen Mitverantwortung. Dementsprechend sollen alle gehört werden.


Die Organisationen der Allianz «Es reicht!» sowie Sympathisantinnen und Sympathisanten pflegen
regelmässig Austausch miteinander und sind bereit, den Lead für einen Erneuerungsprozess zu übernehmen. Selbstverständlich erwarten wir dezidiert, dass die Bischöfe sich daran beteiligen, und wir sind zuversichtlich, dass auch die kantonalkirchlichen Körperschaften (meist "Landeskirchen" genannt) sich engagieren.


Die Basis der katholischen Kirche bricht immer stärker weg. Das muss Sie genauso bewegen wie uns.
Wir sind überzeugt, dass es nur ein Gegenmittel gibt: Alle müssen Kirche sein können, d.h. aktiv an ihr
teilnehmen und gleichberechtigt mitgestalten können. Zudem haben die Skandale der sexuellen und spirituellen Entwürdigung und des Machtmissbrauchs bewusst gemacht, dass Glaubwürdigkeit nur
gewinnt, wer entschieden umkehrt und unbedingte Transparenz schafft. Wir befürworten auch den
Austausch mit dem vergleichbaren "Synodalen Weg" in Deutschland und erhoffen uns davon eine
gegenseitige Inspiration.


«Wir sind das Volk!» lautete vor 30 Jahren der Slogan der DDR-Bevölkerung vor dem Fall der Mauer.
«Wir sind Gottes Volk!» lautet unser Lied und unser Bekenntnis angesichts der Mauern, die es in
unserer Kirche niederzureissen gilt. Nur so erfahren die Mitglieder der Kirche neu, dass sie «nicht mehr
ohne Bürgerrecht sind, sondern Mitbürgerinnen und Mitbürger der Heiligen und Hausgenossinnen und
Hausgenossen Gottes» (Epheserbrief 2,19).


Freundliche Grüsse

 

Allianz «Es reicht!»

 

 

Folgende Gruppierungen haben als Allianz-Mitglieder in einer Vernehmlassung dem Text explizit zugestimmt:


Bethlehem Mission Immensee BMI
ethik22 – Institut für Sozialethik
FrauenKirche Zentralschweiz
Herbert Haag Stiftung für Freiheit in der Kirche
jubla – Jungwacht Blauring Schweiz
KAB Christliche Sozialbewegung (Katholische Arbeitnehmer*Innen-Bewegung)
Kirchliche Gleichstellung Basel
Komitee aus dem Urnerland «Nicht mit uns, Herr Bischof Vitus Huonder!»
Pfarrei-Initiative
SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund
Verein tagsatzung.ch
Zöfra – Verein der vom Zölibat betroffenen Frauen